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100 Jahre Samariterverein Hallau

Geschichte schreiben kann man auf vielerlei Art, durch herausragendes Wissen, herausragende Taten oder, in der heutigen Zeit gang und gäbe: Sich als prominent bezeichnen und seine Memoiren schreiben.

In unserer Geschichte geht es um Frauen und Männer, die viel Pioniergeist bewiesen haben, als sie sich entschlossen den Samariterverein Hallau zu gründen. Entstanden ist dieser Gedanke in schweren Kriegszeiten, aus der Not und als alltägliche Unterstützung des einzigen Arztes im Klettgau, Herrn Dr. Weibel. Gewachsen ist er in den Jahrzehnten mit Kriegswirren, Hungersnöten, todbringender Grippewelle und verheerenden Unwettern.

Bis zur heutigen Zeit hat sich diese Geschichte bestätigt und es gibt nach wie vor Menschen, welche sich für den Einzelnen und für die Gemeinschaft einsetzen und den Fortbestand unseres Vereins fördern. Wir freuen uns, ein Teil dieses Vereins und somit auch ein Teil vom gesellschaftlichen Leben unseres Dorfes zu sein.

Wir wünschen uns, dass es auch in Zukunft Leute gibt, die unsere Ansicht teilen und bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit der Allgemeinheit zu widmen und unserem Verein betreten werden.

Aus den jährlichen Berichten ist diese Zusammenfassung entstanden. Unser ganz herzlicher Dank geht an Wisla Weber, welche den grössten Teil dieses Berichtes erstellt hat. Ein weiterer Dank geht an Helen Bär und Beth Kessler für die Fertigstellung.

Hallau, im August 2010

Anja Hägeli

Präsidentin Samariterverein Hallau

 

1910

Männer, Frauen und Fräuleins - 28 an der Zahl - gründen den Samariterverein Hallau unter der Führung von Dr. Weibel, er­arbeiten die Statuten, wählen Hrn. Simon Stalder als Prä­sident und Dr. Weibel als Uebungsleiter. Dringend wird Ge­meindeschwester gewünscht. Man lernt fleissig Anatomie, Not- ­und Erste Hilfe leisten, Krankenpflege, Verbände anlegen. Man führt Feldübungen an Ort und Stelle aus - Blitzschlag im Kraftwerk, Unwetter im Wald, Hausbrand, Transport der Verletzten, Betreuung, Unfall auf dem Bauernhof und ..und .. Uebungen werden wegen Feld- und Rebarbeiten eher im Herbst/Winter angesetzt. Sehr oft übt man gemeinsam mit den Nachbarn aus Schaffhausen und Neuhausen. Die ersten Delegierten zur Ver­sammlung des Schweizerischen Samariterbundes schickt der Verein nach Olten, wo sie den Samariterausweis bekommen.

Wegen mangelhafter Beteiligung werden Uebungen abgesagt.

1913

Schon 35 Mitglieder zählt der Verein. Es wird eine Feldübung in Neuhausen durchgeführt.

1914

Vermögensbestand:  Fr. 316,22.

Zirkular des Kreisarztes: Im FaIle einer Verwicklung der Schweiz in den Krieg würde man ein Kriegsspital in Zürich errichten. Jeder Verein entsendet ein Mitglied - einen zuverlässigen, der Wehrpflicht entlassenen Mann, der sich verpflichtet Lie­besgaben des Roten Kreuzes an die Armee evtl. an Gefange­ne, Verwundete, Kranke zu verteilen. Die Aktiven Samari­ter können eine Verpflegestation übernehmen. Man übt und lernt im Schulhaus. In der Kriegszeit führt man vorwiegend Verbands-u. Transportübungen durch. Daran nimmt auch die Bevölkerung teil - 106 Personen. Im Angesicht der Gefahr werden noch 2 Alarmübungen organisiert. Wichtigste Uebung mit 20 Personen bei der Bergkirche: Situation - Ge­fecht auf dem Rebhügel westlich  der Hohlengasse. Der Feind zieht sich gegen den Berg NW zurück. In der Bodenvertiefung nördlich der Kirche wird ein Verwundetennest eingerichtet. Die Aufgabe für die Hallauer Samariter: auf Umwegen dorthin gelangen, Verbinden und Transport der Verwundeten zum Notspital in der Messmerscheune.

1915

Der Uebungsleiter Dr. Weibel wird zum Militärdienst einberu­fen. Ohne Leiter - keine Uebungen.

Das Kursgeld wird auf 3 Sfr. erhöht. Fr. Emma Meyer wird Kassiererin.

1916

Dr. Weibel wird zum Ehrenmitglied ernannt. Ein Lichtbilder­vortrag aus Zürich wird wegen hoher Kosten abgelehnt. Neuhausen lädt zur Schlussprüfung ein. Jungfrau B. Fotsch schenkt dem Verein Fr. 50.--  zum Silvester.

1917

Vereinsvermögensbestand: Fr. 401,17. Aktive Mitglieder 31, Passive 16. Man bestimmt eine Sammelstelle für Gemüse, das den Soldaten zu Gute kommen solI. An den Hilfslehrertag in Lachen schickt man 2 Mitglieder, weil der Verein zur Zeit über genügend Geld verfügt. An einem Sonntag wird eine Feldübung bei der Wunderklingerstrasse durch­geführt. Thema ist „Schussverletzungen“. Der Präsident übt scharfe Kritik, weil sich die Sa­mariter nicht streng genug an das Thema gehalten haben. "Nach­her gingen wir nach Wunderklingen um uns an einem einfachen Zobed zu erquicken und zogen bald darauf auf Umwegen wieder unserem lieben Dorfe Hallau zu" (Aktuarin Berta Rupli).  Zur politischen Information aus Zürich bezieht der Verein Schriften zu Fr. 5.-- : "Licht in die Wirren des Balkan", "Ser­bien und der Krieg", "Henri Dunant".

191 8 I 1919

Durch den unseligen Krieg steht die Vereinstätigkeit still. Dr. Weibel dient im Militär. Die Grippe breitet sich bedrohlich aus und stellt ein grosses Hindernis im Vereinsleben dar. Ueben ist nicht möglich. Es gibt auch keine Hauptversamm­lung im 1919.

1920

Für "das Alter" und die Tuberkuloseliga wird ein Betrag von je Fr. 20.-- . festgesetzt. Man beschliesst, einen Rucksack zum Transport von Material zu beschaffen. Es werden Massnahmen gegen die Grippe erarbeitet. Das Schulhaus wird Notspital sein. Die Samariter werden in Krankenpflege unterrichtet. Feldübung im Wald: Supposition - Eine Schulklasse wird vom Gewitter überrascht und.... und es passiert tatsächlich genau das. Ein schlimmes Unwetter überrascht die Samariter und die Schüler im Wald! Und aus Uebung wird ernsthafte bittere Realität mit glücklichem Ende. Zum ersten Mal ist der Verein vollzählig dabei. Keiner fehlt ..  Aktive 44, Passive 22, Ehrenmitglieder 3. Der Verein besteht und lebt schon zehn Jahre.

1921

Ein stilles Jahr. Der Verein erlebt eine tiefe Krise. Uebungen finden nicht statt. Die Mitgliederzahl schwindet. Ein Sa­mariterkurs wird durchgeführt und die Existenz gerettet. Ein Krankenpflegekurs fällt wegen Ausbruch von Maul-und Klauenseuche ins Wasser. Die Grippewelle überrollt die Be­völkerung. Die Samariter umsorgen die Kranken. Eine Sama­riterin erkrankt nach der Pflege und bleibt wochenlang im Bett. Der Präsident zieht sich zurück. Die Versammlung wählt Hr. E. Steiger-Enderli als Vereinsführer. Man be­schliesst einen Samariterposten in Gächlingen aufzubauen. ­Der Oberhallauer, Hr. Hauser, stellt den Antrag, die Gäch­linger sollen selbst durch Kollekte die Sachen anschaffen und Hilfe vom Gemeinderat holen. Herr Spitz meint, man könn­te die Grippegepflegten als Passivmitglieder verpflichten als Dank für die unentgeltliche Pflege der Samariter. Gemeinsame Uebung der Gemeinden Hallau, Gächlingen, Neuhausen; Supposition: Blitz schlägt in der Kirche ein. Am Schützenfest möchte der Verein Blumen verkaufen zu gemeinnützigen Zwecken. Feldübung in Neuhausen: Besammlung bei der "Flora“, mit Hauben und ohne. Diese Frauen, die ohne Hauben ankommen, wissen sich durch ein Vierecktuch mit Rotkreuzzeichen  zu helfen. Die Fahne vergisst man aber. Supposition: Brand im Elektri­zitätswerk. „ Die Uebung nahm soweit einen guten Verlauf, wenn das sonderbare Verhalten und Auftreten einzelner Samariter aus Neuhausen nicht eingerechnet wird." (Aktuarin E. Meyer)

 

Trotz des Blumenverkaufsverbots durch die Gemeinde, bestellt man die Blumen und verkauft sie zu 50 Rappen im Dorf. Der Bun­deskartenverkauf wird den Turnern untersagt und somit über­nehmen die Samariter die Aufgabe. Präsident Steiger gründet eine Reisekasse, um das Vereinsleben anzuregen. LOKAL GESUCHT! Dr. Weibel beschafft ein Skelett, zusammen mit dem Verein. Beim Ableben des Arztes gilt das Skelett als Eigentum des Vereins. Strohmatten für die Uebungen werden selbst geflochten. Man beginnt eine Sammlung für die Tuberkuloseliga und Naturgaben für das Spital.

1922

Der Beitrag wird auf Fr. 2.--  für Aktive und Passive fest­gelegt. Die Krankenschwester wird mit Fr. 50.-- entschädigt. Schlussprüfung nach dem Samariterkurs mit Programm+Tombola (1000 Lose zu 30 Rappen mit 150 Treffern). Die Sammlung für die Irrenpflege sollen die Männer übernehmen. Man zahlt Bei­träge an das Rote Kreuz. Der Verein beschliesst, die Uebun­gen an einem Donnerstag im Monat durchzuführen. Dr.Weibel hält fest, eine Unterhaltung nach der Versammlung sei unan­gebracht, weil es andere Zwecke verfolgt (man ist ja kein Gesang- und sonstiger Verein!). Zum ersten Mal inseriert der Samariterverein in der "Klettgauer Zeitung", um die Mitglieder zu ermahnen, an den Uebungen teilzunehmen. Jemand schlägt vor, ein Vereinslied zu komponieren und zu lernen.

1923

Präsident wird E. Pfund. Man ändert die Statuten. "Mitglieder, welche die Sache des Vereins oder das Ansehen schädigen, können in geheimer Abstimmung und mit absolutem Mehr der Anwesenden ausgeschlossen werden“. Klagen über solche Mitglieder sollen schriftlich dem Vorstand vorgelegt werden. Hr. Steiger wird selbst eine zweite zusammenklappbare Bahre anfertigen. Neuhausen möchte mit Hallau weiter arbeiten, so die Botschaft. Der Stein des Anstosses (Fr. Ziegler) ist nicht mehr dabei. Man unterstützt Altdorf bei der Beschaffung von einem Krankenmobil, indem der Verein 5 Lose kauft. Kompressionsapparat soll nicht angeschleppt werden - er leistet schlechte Dienste. Es gibt einen Vortrag über Tuberkulose im Gemeindehaus.

1924

Das angeschaffte Bett von Samariter- und Krankenhilfsver­ein bleibt Eigentum - nach grossen Streitigkeiten - der Samariter. Die Samariter kritisieren den Vorstand heftig, das Vereinsgeld nicht gut ge­nug gehortet zu haben. Das Vermögen schrumpfte. Das Schmerzenskind bleibt aber die Sammlung. Soll man Bussen erteilen, wenn die Mitglieder bei den Uebungen fehlen, ist die grosse Frage. Man führt eine Absenzliste ein. Die Samariter wollen Bilderschmuck und Lesestoff für das Bürgerheim sammeln. Beim Turnfest macht der Verein Platzdienst: 2 Verbandsposten, patroullieren zwischen den Posten, an der Unfallstelle arbeitet man zu zweit. Die diensthabenden Samariter arbeiten zusammen mit dem Polizeikomitee. Weil die anderen Vorstandsmitglieder nicht besoldet werden, soll auch die Besoldung der Kassierin von Fr. 5.-- gestrichen werden.

1925

Der Verein besitzt schon 20 Verbandsetuis: 1 grosse Verbands­patrone, 1 Pinzette, 1 Sicherheitsnadel, englisches Pflas­ter und Kautschukpflaster. Die Samariter besorgen Bilder und Vorhänge für das Schwesternzimmer. Dr. Weibel klärt über Krebserkrankungen auf. Der Verein unterstützt beim Kartoffeln ausgra­ben die Fam. Fritz Rupli,Obermessmer. Die Feldarbeit ist im Rückstand wegen Krankheit der Hausmutter. Es wird beschlos­sen, Mitglieder, welche bei Uebungen oder Versammlungen fehlen, mit ei­ner Busse von 50 Rappen zu belegen.

1926

DAS GROSSE UNWETTERJAHR! Kein reges Leben im Verein, wenig Geld in der Kasse. Die Reichsbahn wünscht einen Vertrag mit dem Samariterverein Hallau abzuschliessen zwecks Hilfeleis­tung bei Unglücksfällen. Die Krebsausstellung findet im Konfirmandenzimmer statt. Nötige Anschaffungen: Wolldecken und Emballagetücher. Und wieder helfen die Samariter einem Mit­glied bei den Frühlingsarbeiten im Rebland, weil Frl. Lina Bringolf ernsthaft und lange krank bleibt.

1927

Simon  Stalder ist der neue Präsident. Die Samariter wohnen einem Vortrag "Wie bleibe ich gesund?" bei. Nach dem gros­sen Unwetter bekommen viele Wassergeschädigte Hilfe und Un­terstützung. Neu errichtet der Verein einen Samariterposten bei Frl. Margrit Gasser, zur Traube.

1928

Passive, Simulanten und der Krankenhilfsverein sind Gäste bei der Hauptversammlung. Ein Mann mit Handörgeli sorgt für Fröhlichkeit. Tombola-Lose, Karten und Broschüren ver­kaufen sich gut zu Gunsten des  „Henri-Dunant-Fonds“. Davon bekommt der Verein Provision.

1929

Herr Stalder gibt als Präsident auf. Die Versammlung wählt einstimmig Emma  Meyer. Jeden 3. Sonntag wird dem Bürgerheim Kaffee und Weggli spendiert, das Stück zu 8 Rappen. Für Schwester Sophie wird ein elektrisches Lämpchen gekauft. Die Samariter machen wieder Platzdienst beim Autorennen, Oberhallau. Es geschehen zuviele Unfälle! Sollte es nicht lieber abgeschafft werden?

Die gewünschte Matratze für das  Bett kann nicht besorgt werden! Kein Lokal vorhanden!!??

1930

"Kleines Häuflein Samariter“, so die verzweifelte Feststellung des Präsidenten. "Junge Leute finden keine Zeit, sich einer Sache zu widmen, wo kein Vergnügen steht!" Als prak­tische Uebung unternehmen die Samariter einen Besuch in die Balgristanstalt für behinderte Kinder. Zu Weihnachten be­kommen die Insassen vom Bürgerheim ein Radio geschenkt.

1931

Dem Bürgerheim schenken die Samariter ein elektrisches Kis­sen und eine Thermosflasche. Hr. Stalder ist für die Henri­Dunant-Medaille vorgeschlagen worden.

1932

Frl. Meyer braucht Schreibpapier. Gesammelt wird auch für ein Kinderferienheim. Der Verein veranstaltet eine Warenlotterie zu Gunsten von Anormalen und Taubstummen.

Der Vorstand fragt in Schaffhausen nach, wie viel Taggeld die Diensthabenden verlangen sollen. Zu Weihnachten gibt es Socken für die Angestellten im Bürgerheim und Esspakete für die Armen. Uebungsleiterin Ida Rütschi wünscht der Lehrervereinigung beizutreten. Die Abgabe pro Mitglied an den Samariterbund beträgt 80 Rappen.

1933

Beim Motorradrennen, Oberhallau, wird eine Samariterin ver­letzt, ein Samariter erleidet eine Hirnerschütterung. Herr Stalder stirbt im Mai 1933. Dr. Weibel und Schwester Rosa organisieren kostenlose Säuglingsberatung in Hallau.

1934

Die entscheidende und immerwährende Frage: "Wie sollen wir es einfädeln, dass wir mehr Mitglieder bekommen??!!“

1935

Stilles Jahr! Präsidentin ist immer noch Emma Meyer, Leiterin: Ida Rütschi, Kassier: Ernst Spaar.

1936

Die Versammlung beschliesst, die allmonatliche Uebung möge am Werktag Donnerstag durchgeführt werden. Es wird abge­lehnt, den Bäuerinnenverband finanziell zu unterstützen. Es sein eine andere Institution und habe andere Aufgaben als der Samariterverein. Endlich hat der Verein genug Geld, um eine Reise zu unternehmen – Besuch von Anstalt oder Heim an einem Werktag. Im Weihnachtspäckli für die Alten im Bürgerheim packen die Frauen Würfelzucker, Frottiertücher, Bettunterlagen und Bettvorlagen ein.

1937

Nichts ist los. Frl. Meyer führt schon 20 Jahre lang den Verein.

1938

Emma Meyer ist krank. Es wird nichts beschlossen. Anschlies­send an der Versammlung werden Verbandübungen durchgeführt.

1939

K R I E G !!!!

Schweizer Frauen stehen ihren  Männern zur Seite und helfen ihnen bei der Verteidigung der Heimat. Frl. Meyer erhält die Henri-Dunant-Medaille.

1940

Der unselige Krieg wütet immer noch. Wir Schweizer wurden gnädig davor bewahrt. Wo werden wir an der Hauptversammlung 1941 stehen?  Werden wir Frieden haben?  Es wird fleissig Evakuation geübt. Alle sammeln Kleider für die französischen Flüchtlinge. Die Soldaten in Wunderklin­gen kriegen auch Weihnachtsbescherung trotz Kälte und Schnee Die Samariter gehören zur Ortswehr u. Sanität. Der Luft­schutzkeller befindet sich in  der Maienburg. Der Samariterleiter, Herr Spaar, ist im Militärdienst.

1941

„Immer noch leben wir wie auf einer Friedensinsel inmitten des Weltbrandes. Wir dürfen dankbar sein." (Aktuarin E. Metz­ger-Kessler). Die Soldaten werden wieder zu Weihnachten be­schenkt. Sie bedanken sich offiziell in der "Klettgauer Zeitung" für die Liebesgaben. Der Wochenbatzen soll einge­führt werden. Wenn jede Familie 10 Rappen in der Woche zahlt, kann wieder manches Kind vor dem Hungertod bewahrt werden.

1 942

"Es scheint ein Wunder zu sein, so friedlich zusammenzu­sitzen, um unsere Hauptversammlung abzuhalten, inmitten der Not  der Nachbarländer."

Während des Jahres werden in Hallau resp. vom Samariterver­ein 18 französische Kinder und 1 Ausland- schweizerkind be­treut. Sie erholen sich und essen sich satt. Drei bis vier Monate erleben sie keine Bombardements und kein Kriegsge­heul. Der Verein sammelt für die Tuberkuloseliga und für die Patenschaften. Der Wochenbatzen wird fleissig abgegeben. Frau Zimmermann-Rupli vermacht dem Vrein Fr. 1,000.--.  Eine erschreckende Nachricht erschüttert die Samariter - die gute, anständige, wunderderbare Emma Meyer will auf's nächste Jahr das Amt als Präsidentin niederlegen!

1943

"Immer grösser wird das Elend in den kriegsführenden Staaten. Wir Schweizer sitzen aber nicht tatenlos und teilnahmslos in unserer Ferienwohnung.“

Wochenbatzen und Spenden ergeben Fr. 529.20 für die Kin­derhilfe. Nach Italien schickt man Kinderhilfspakete. Da­für haben die Samariter im Dorf gesammelt.

1944

Der Krieg dauert an. Schaffhausen wird teilweise von Bomben getroffen. Trotz der Unruhen und Gefahren organisiert der Verein einen Erste-Hilfe-Kurs. Die Alarmübung wird zusammen mit der Kriegsfeuerwehr ausgeführt. Man sammelt weiter Geld und Kleider für die Flüchtlinge, Kranke und Alten, für die Soldaten.

1945

FRIEDEN !!!

Der Flüchtlingsstrom ergiesst sich noch stärker in die Schweiz. Der Grenzübergang bei Hallau wird gesperrt. Frl. Meyer tritt als Präsidentin zurück.

1946

KRISE! DESASTER!! Nach dem Rücktritt von Frl. Meyer, die jahrelang das Verein­sschiff mit Gewissenhaftigkeit und Hingabe geführt hat, ent­steht ein blankes Desaster im Vereinsleben! Es findet sich einfach kein Ersatz. Alle verhandeln miteinander und die Tätigkeit steht still. Der Vorstand stellt ohnmächtig fest, dass das Interesse an der Samaritersache erlahmt und schwin­det. Bis jetzt ist keine Lösung gefunden.

1947

Wo befindet sich das Material des Vereins? Eine Decke ging verloren. Für das Patenkind wird weiter gesorgt. Leider fehlt dem Verein immer noch der Nachwuchs. „Der Verein wurde ja nicht des Krieges wegen gegründet, sondern um Leute auszubilden, die befähigt sind, bei Unfällen des täglichen Lebens eine zweckmässige Hilfe zu leisten.“

1948

Ein besonderes Jahr! In Europa gedenkt man der Ereignisse vor 100 Jahren eher mit Bitterkeit. "Wir Schweizer haben aber allen Grund, dankbar der Männer von 1848 zu gedenken, die durch die neue Verfassung die Grundlage zu einem jahrhundertlangen friedlichen und gedeihlichen Zusammenwirken der Eidgenossen schufen. Wir wollen nur wünschen, dass spätere Generationen ebenfalls mit denselben Gefühlen der Dankbarkeit und Ehr­furcht an die Männer zurückdenken." (E. Spaar). In der Welt toben immer noch lokale Kriege und Elend ohne Ende. Am 1.Juli bekommt das Verbandsorgan ein neues Gewand. Der Verein ist gezwungen, die ungarische Patenschaft wegen der politischen Verhältnisse aufzugeben. Man übernimmt neue aus Hannover/Deutschland.

Diverse Dankeskarten und  -Briefe hat der Samariterverein erhalten.  Einen davon möchten wir hier veröffentlichen:

 

                                                                        Hannover, 10.12.48

 

Lieber Patenonkel:

 

Habe heute am 9.12. Ihre werte Anschrift erhalten. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Vor allen Dingen freute ich mich sehr über Ihre so lieben Pakete, die ich von Ihnen erhalten habe. Ich möchte hiermit meinen herzlichen Dank aussprechen. Lieber Patenonkel nun etwas persönliches von mir. Ich bin 13 Jahre alt und habe auch noch eine kleine Schwester von 10 Jahren, wir beide leben mit Mutti in Hannover. Mein Vater ist im Kriege gefallen Ich gehe aufs Ratsgymnasium schon 1,5 Jahre und hoffe, dass ich es weiterhin schaffen werde. Mein Wunsch ist: Kaufmann zu werden. Ich kann schon etwas Englisch schreiben und übersetzen. Bald ist das Weihnachtsfest herangerückt, und ich hoffe das es Ihnen recht viel Geschenke und Glück bringen wird. In dem letzten Paket war eine Tafel Schokolade, und mein kleines Schwesterchen und ich haben uns sehr darüber gefreut. Von der Schule bekommen wir auch Weihnachtsgeschenke. Für’s erste mal will ich mein Schreiben hiermit beenden.

 

Es grüsst Sie aufs herzlichste

 

Ihr Patensohn Karl-Heinz

 

 

Am 30.4.49 schrieb die Mutter von Karl-Heinz:

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

 

Habe Ihr Schreiben vom 19.1.49 mit Dank erhalten. Möchte es nicht versäumen als Mutter meines Sohnes Karl-Heinz Ihnen zu danken für die Liebesgaben Pakete. Es ist für mich immer eine grosse Hilfe denn mein Einkommen im Monat beträgt 88 DM und an Arbeit ist zurzeit nicht  zu denken, da es sehr schlecht damit steht. Wir wollen hoffen und wünschen dass es einmal besser wird mit allem. Vor allen Dingen mit den Wohnverhältnissen. Ich wohne jetzt mit meinen beiden Kindern im Keller wo es sehr feucht und müffig ist. Mein Mann fiel im Jahre 1943 in Russland wo ich seelisch sehr darüber gelitten habe. Aber trotz alledem lasse ich den Kopf nicht hängen denn das ändert doch nichts an der ganzen Sache. Ich will nur hoffen dass es mal besser wird. Denn die Gesundheit ist doch noch das grösste Kapital im Leben. Und mir soll es nicht schwer fallen für meine Kinder gut zu sorgen da es mein einziger Lebensinhalt ist. Ich hoffe ja dass es mit Karl-Heinz auch mal besser wird zwecks seiner Krankheit. Denn ein ganz kleines Fünkchen Hoffnung habe ich ja noch dass es mal besser wird mit ihm.

Und nun zu Ihnen Herr Präsident. Danke ich Ihnen für Ihre Pakete die meinem Sohn zugute kommen. Es verbleibt mit vielen Grüssen

Hochachtungsvoll

Frau Zehn

 

Inhalt eines Paketes (Wert ca. Fr.12.-15.--):

Kräftigungsmittel wie Biomalz, Hacosan, Ovomaltine, Kondensmilch oder Pulvermilch, Honig, Schokolade, Zucker, Reis, Margarine, Seife.

 

Am 11.2.50 Mitteilung des Schweiz.Roten Kreuzes, Abtl. Kinderhilfe, Sektion Schaffhausen an Samariterverein Hallau, Schwester Flory Bächler:

 

Ihr Patenkind Karl-Heinz Zehn hat sich durch die Pakete sehr gekräftigt und erholt. Er ist seit Oktober 49 als Lehrling tätig und verdient 35.—DM. Da die Mutter auch arbeitet, lebt die Familie jetzt in ausreichend wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Patenschaft kann daher aufgehoben werden.

 

Im selben Brief wurde um Unterstützung eines anderen Patenkindes Edeltraut gebeten, auch diesem wurden Pakete zugestellt.

 

1949

Frl. Ida Rütschi wird mit der Henri-Dunant-Medaille geehrt. Zwei Samariter aus Hallau helfen beim Blutspenden in Schaffhausen.

1950

Schlimme Unwetter in der Schweiz - Erdrutsche und Lawinen vernichten oder beschädigen Hab und Gut der Bergbewohner. Man hilft, wie und wo man kann. Das Motto im Vereinsleben für das Jahr lautet „Bereit sein“. Alle besuchen den Kurs in Schaffhausen „Vorkehrungen bei Katastrophen“. Um die Samaritersache publik zu machen, organisieren die Samariter in Hallau eine Samariterwoche.

1951

Ein ehrenhaftes Jahr für den Verein: Hr. Dr. Weibel, Fr. Pfund und Frl. M. Spaar werden mit der Henri-Dunant-Medaille ausge­zeichnet. Nach dem Krankenpflegekurs wird die Schlussprü­fung durchgeführt und jeder Teilnehmer bekommt einen Samariter­ausweis. Es herrscht bedauerlich wenig Interesse für das Samariterwe­sen und die Uebungen sind sehr schlecht besucht. "Keine Entspannung in der nationalen Politik. Die Staaten rüsten auf. Inmitten des Chaos bleiben wir als Insel der Neutralität. Hoffen wir, dass es so bleiben darf, was unsere Vorväter erkämpft haben."

1952

Fast keine Uebungen durchgeführt wegen Feld- und Rebenarbeit. Es herrscht noch kein Frieden. Der Flüchtlingsstrom von Ost nach West nimmt grosse Dimensionen an. Der Rüstungswettlauf ist ununterbrochen im Gange.

1953

Präsidentin des Vereins ist Fr. Klara Fotsch-Wirth.

Aktuarin: Frl. Milli Neukomm, Nässihof.

In diesem Jahr sammelt der Kirchenchor für die Tuberkulo­seliga. Man hat im Sinn, einen Alarmdienst zu organisieren.

1954

Dr. Weibel zeigt den Film "Neues zum Kampf dem Krebs" und hält ein Einführungsreferat. Hr. Hunziker aus Schaffhausen spricht über Hilfsleistungen bei Lawinenkatastrophen und

Wasserschäden anlässlich der Wassernot in Holland und des Lawinenunglücks im Voralberg. Aus finanziellen Gründen (durchaus begreiflich) lehnen es die Mitglieder des Samaritervereins ab beim ersten Anlauf zur Gründung des Samariterkantonalverbandes  dabei zu sein. Man lädt sie trotzdem am 25.4. in den Kronenhof SH ein, an der Versammlung teilzunehmen. Gründungsbeitrag liegt bei Fr. 100.—. Präsident wird Herr Vetterli. Der Verein bekommt Fr. 100.— als Unterstützung von Hallau.

Der Jahresbeitrag wird von Fr.2.-- auf Fr. 3.-- erhöht. Zwei Alarmübungen werden in Neunkirch und in Wilchingen-Station durchgeführt. Im Schwimmbad werden Rettungsgriffe geübt. Durch Demo's in den Reiat Gemeinden hofft der Samariterver­band, diese zur Gründung von Samaritervereinen zu animie­ren. Vergebens! Dr. Weibel schenkt das halbe Skelett dem Samariterverein. (Es heisst Flory und steht bei Schwester Flory und darf sich eines eigenen Zimmers erfreuen).

Beim Luftschutz dürfen keine Militär -oder hilfsdienst­pflichtige Personen sein. Schwierig - Der Samariterverein übernimmt die Kriegssanität.

1956

Ungarn-Revolution 

"An jenem Dienstag um 11.25 Uhr läuteten alle Kirchenglocken der Schweiz und dann herrschte 3 Minuten Schweigen - hier feierliches Läuten und Schweigen; dort - Schreien, Morden, Verbluten.“

Eine Zivilschutzausbildung geniessen Klara  Fotsch und Frieda Klumpp. Der Frauenturnverein übernimmt diesmal die Tuberkuloseliga-Sammlung.

1957

Dr. Weibel tritt als Vize-Präsident zurück. Man bekommt ei­nen Löffel für fleissiges Besuchen der Uebungen.  Lilli Neukomm,  Litihof, wird neue Lehrerin. (Man hat befürchtet, dass ihr Mann dagegen sein könnte!)

In Schaffhausen wird die Uebung "Künstliche Atmung" durchgeführt.

1958

Die Schmerzmittelsucht verbreitet sich schnell in dieser Zeit. 80% der Frauen schlucken 5-20 St. pro Tag, die Männer verfallen dem Alkohol. Die Ursache, meint Dr. Wanner aus SH in dem Vortrag, seien der Lärm, die Technik, die Hetze der Zeit. „ Der menschliche Körper ist dessen nicht mehr gewachsen".

1959

Man beschafft einen Materialschrank für den Verein, der un­ter die Treppe zur Turnhalle gestellt wird.

"Wir stehen in einer innermenschlichen Krise - Flucht vor Gott und der eigenen Seele. Die Menge bewundert nur tech­nischen Fortschritt, Geld und Macht, sportliche Erfolge. Die Ehrfurcht vor dem Schöpfer Natur wird mit Füssen getre­ten. Man fragt nicht nach der Schönheit des Waldes, sondern nach dessen Wert in Franken!!!

1960

50 Jahre Bestehen des Vereins

"Rückwärts und dann Vorwärts - man darf nie das Eine ohne das Andere tun. Denn mit dem Abschied beginnt das Neue."

Die Welt findet keine Ruhe - verheerende Erdbeben in Marok­ko und Chile, Flugzeugabstürze in New York und München (800 Menschenopfer), Naturkatastrophen in Ostpakistan, Philippin­nen, Japan, USA, Erdstösse in Südamerika; Riesenbrand auf dem Flugzeugträger "Constellation" fordert 48 Opfer; Eisen­bahnunglück in der CSSR; Grubenbrand in der DDR; Ueberschwem­mungen in Europa. Die Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz fordern um 16% mehr Todesopfer. Drei grosse Brände im Kanton, Gewitterschäden, Frostnächte im Frühjahr. Nimmt es kein Ende? Am 8.04. verschied unser allseits beliebter und hochgeschätzter General Henri Guisan. WIR TRAUERN! Das Vereinsleben steht fast still.

1961

Präsidentin Frieda Klumpp; Vize Olga Bachofen. Die Maisammlung erbringt Fr.1000.--. Der Verein leistet bei 71 Fällen Hilfe.

1962

Mit der Päcklipost schafft man Samaritertaschen an. Die Ver­einsreise führt nach Zürich. Klara Fotsch ist Trägerin der Henri-Dunant-Medaille. Die Spar- und Leihkasse, Hallau unterstützt die Samariter mit Fr. 500.— und die Weinkellerei Rimuss spendet Süsswein, 2 Pannendreiecke und Blinklaterne von Velo – Rahm. Den Erste-Hilfe-Kurs in Oberhallau besuchen 39 Personen. E. Bringolf, Mitbegründerin des Vereins stirbt in diesem Jahr.

1963

Zehn Uebungen finden statt. Der Verein organisiert einen Bazar zu Gunsten des Krankenhilfsvereins. Die Samariter feiern Weihnachten im Bürgerheim wie immer.  Leider tritt Schwester Flory als Kassierin nach 17 Jahren zurück. Inzwi­schen sind schon vier Samariter von uns gegangen.

1964

Rosmarie Rahm ist neue Kassierin. Dem Verein fehlen Tragbahren. Bei der Familienwagenfahrt zum Ross­berg und Ruine Radegg machen 109 Pers. mit. Dafür sind 5 Pferdegespanne notwendig. Die Patrouillenübung befasst sich mit dem Kompass. Der Verein bekommt Zuwachs - sieben neue Mitglieder sind eingetreten. Die Maisammlung erreicht die Summe von Fr.1'335.--. Eine Vergabung von Fr.  3‘000.--  erhält der Verein aus dem Nachlass des verstorbenen Passivmitglie­des  Frl. Katharina Hess und die Weinkellerei Rimuss sorgt für einen Geldzustupf der Vereinskasse in der Höhe von 250.­--   DANKE!

1965

Bei der diesjährigen Blutspendenaktion erscheinen 198 Spen­der. Die Samariter erhalten tatkräftige und unentgeltliche Unterstützung von den Geschäften aus Hallau: Fam. Rupli - gra­tis Bettentransport, Bäckerei Zeller - gratis Brötchen, Fam. Hunziker - gratis Milch. Danke den braven Leuten! Endlich ein Beatmungsphantom!

Samariterin Liseli Widmer rettet aus dem Wasserreservoir einen Knaben vor dem Ertrinken. Ehre und Lob der tapferen Frau!

1966/1967

In diesem Jahr hat man pflichtgetreu die obligatorischen Uebungen absolviert. Die Maisammlung und die Tuberkuloseligasammlung gehen weiter. An den beiden Sausertagen 2./9. Oktober 1966 stehen die Samariter Posten. Die Reise ins Appenzell erfreut die Herzen und es wird nun jedes Jahr eine Vereinsreise organisiert .Um den eigenen Kindern das Samariterwesen näher zu bringen, organisiert der Vorstand eine Waldübung anlässlich einer Familiensonntagsparty in der Waldhütte. Zum ersten Mal erfolgt Sanitätsunterricht an der Oberstufe der Schule Hallau.

1967/1968

Nothelferkurs wird gut besucht. 128 Spender erscheinen am Blutspendentag. Nur 3% von der Bevölkerung spenden für alle. Edith Rahm macht unseren Verein glücklich, indem sie Sama­riterlehrerin wird.  Milli Meyer wird mit der Henri-Du­nant-Medaille für ihre Tätigkeit geehrt. Die Hauptversamm­lung endet mit der Bitte der Präsidentin um mehr Werbung neuer Mitglieder.

"Am 26.August 1968 verschied Herr Dr. med. Robert Weibel sen. - Gründer und Ehrenpräsident, Förderer des Samariterwesens. Er war allen ein guter Lehrer und Berater. Die Gemeinde dankte ihm dafür mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Hallau. Ueber 20 Kurse und mehr als 50 Feldübungen lei­tete er. Dr. Weibel führte kostenlose Säuglingspflegebe­ratung und Schulzahnpflege ein. Pro Juventute war ihm ein grosses Anliegen und dies neben seiner grossen Arztpraxis. "

1969

Die Samariter sammeln im Dorf Kleider für die Armen. 302 Spender registriert man am Blutspendetag. Der Verein bietet 5 Nothelferkurse an und steht 4 mal Posten bei Anlässen. Ein Vorschlag wird unterbreitet, das Weihnachtsfest im Bür­gerheim aus Kostengründen mit dem Hausfest zusammenzulegen.

Frieda Klumpp appelliert: „Warum gerade bei der älteren Generation Anlässe streichen? Der heutigen Jugend wird alles Erdenkliche geboten, wovon man vor 50 Jahren noch keine Ahnung hatte. Diese alten Leute wollen Kontakt, Begegnung mit den Dorfbewohnern. Darum haltet, Samariter, an diesem guten Brauch fest, sonst müssten wir uns vor jenen tapferen Frauen und Männern schämen, welche diese Arbeit aufbauten, als es noch keine Subventionen und Gemeindebeiträge gab!“

1970

Bei der Zivilschutzübung ist Schwester Flory noch dabei.

Der Verein besorgt eine Personenwaage für das Bürgerheim und bereitet Päckli für jeden zu. Beim diesjährigen Aus­flug übernimmt die Vereinskasse das Fahrkartengeld als Entgelt für die Aktiven.

197I

Die Uebung mit der Feuerwehr erreicht ihre Krönung mit dem Schübling und Halbliter! Und die Aussicht auf den Sold, der tatsächlich ausbezahlt wird! Am Bazar zu gemeinnützigen Zwecken erlebt man einen flotten und humorvollen Verkauf der Ruhekissen dank der Redekünste von C.C. Rahm! Welch ein Erfolg! Der Verein kann Fr.850.-- als Vergabungen verbuchen, wo­für alle sehr dankbar sind.

1972

Das Dorf ist erfreulicherweise sehr spendabel bei der Mai­sammlung. Im April spenden 386 Personen und im November 408 Personen Blut. In der Schule wird Erste Hilfe- Unterricht gegeben.  Lilly Neukomm und Frieda Klumpp sind in Lausanne mit der Medaille für ihr Engagement im Verein geehrt worden. Neue Vereinsmitglieder werden begrüsst. Leider muss der Verein Abschied vom Mitbegründer des Vereins Hr. Hans Huber, Altlehrer, nehmen.

1973

Zum ersten Mal kann der Verein mehr als 400 Pers. bei der Blutspendenaktion betreuen. Man stellt einen Antrag an die Gemeinde für ein Uebungslokal. Die Gemeinde erhöht den Beitrag auf Fr. 200.--.Der Verkehrsverein schenkt Fr. 150.--.

1974

Man beschliesst "Posten stehen“ als Uebungsersatz anzuerken­nen - eher als Beruhigung des Gewissens. Bei der neuen Methode an den Blutspendentagen gehen die Spenderzahlen zurück. Vermutlich gibt es keine Delegiertenversammlung Schweiz mehr. Hier führt man wieder etwas Neues ein. Die Isolierrohrfabrik berücksichtigt den Verein mit Fr. 50.--. Marianne Beugger be­kommt Zwillinge. Gratulation!  Erstmals wird auch der Samariterverein in die Arbeitsgruppe des Umzugskomitees einbezogen. Postenstehen wird gebraucht und anerkannt. Schwester Flory führt immer noch Krankenpflegekurse durch. Das Wetter spielt verrückt, der Winter kommt vor dem Herbst und die Weinlese erfolgt im November – zu spät.

Beim Bazar serviert man zum ersten Mal Suppe und Würstli: ein Erfolg,  Fr. 20'000.--  kommen in die Kasse zu Gunsten der Bergkirche und der Kirchgemeinde.

1976

Es wird immer mehr vom Samariterverein verlangt, es wird immer mehr bürokratischer - ein richtiger Papierkrieg. Man legt 4 Uebungen als Obligatorium fest. Kursgelder steigen auf Fr. 5.-- und eine Abgabe an den S.S.Bund für den Kurs­ausweis wird entrichtet. Die Maisammlung geht zurück.

 

1977

 Erstmals wird ein Postenwagen angeschafft.

Der Verein hat neue Mitglieder. Erste -Hilfe -Kurse für Autofahrer und Nothelferkurse werden obligatorisch - ein lohnendes Geschäft für den Verein. Leider regelt der Kanton die Kursgelder. Hr. E. Pfund, alt Samariterlehrer und ehemaliger Vereinsprä­sident ist tot. Hr. Pfarrer Blocher gestaltet die Trauerfeier sehr familiär.

1978

Der erhoffte Zuwachs an Aktiven nach Nothelferkursen  findet nicht statt . Blutspendenaktion er­folgt im Schulhaus dank der Hilfe der Lehrerschaft. Die Samariter danken herzlich Rosmarie Rahm für das Zuschneiden der Blusen für's einheitliche Tenu. Das Rote Kreuz Oester­reich lädt zum 1.Hilfe - Leistungswettbewerb ein. Die Hallauer melden sich an sowie noch 3 weitere Vereine aus der Ostschweiz.

1979

Am 28. April organisiert der Hallauer Samariterverein die Delegiertenversammlung des Kantons. Die Gemeinde unterstützt den Verein finanziell. Die Weinkellerei Rimuss und die Musikgesellschaft helfen und wirken mit. Zum ersten Mal hat der Verein einen Umzugswagen gebaut. Für dessen Schmuck ver­braucht man 2400 künstliche Dahlien. Die Reise ist nicht mehr vom Vereinsleben wegzudenken.

1980

Die Samariterlehrerin Edith Rahm gestaltet die Stunden sehr ab­wechslungsreich - lebensrettende Massnahmen, Unfälle im Haus und auf dem Bauernhof, Ausspracheabende am Lagerfeuer und ... der Verein wächst um 2 Aktive. Der Samariterverein erhält vom Herbstsonntagskomitee  Fr. 550.--  plus Fr. 220.-- Honorar für Posten stehen. Der Gemeindebeitrag ist Fr. 300.--. Danke !

1981

Wir zügeln unsere Habseligkeiten vom Kirchschulhaus ins Weiherschulhaus. Nach einem grossen „Reinemachen“ freuen wir uns an der sauberen Stube. Leider müssen wir immer wieder ausziehen, wenn Militär im Dorf ist. Zu schön wäre es, einmal ein Lokal für uns allein zu haben.

1983

Ein doppelt geführter Nothelferkurs mit 25 Teilnehmern findet grossen Anklang und beschert dem Verein fünf neue Aktivmitglieder. Zweimal gibt es Alarm bei der Feuerwehr und die Samariterinnen rücken aus. Es brannte in der „äusseren Oele“ und bei Christen.

1985

Jubiläum: 75 Jahre Samariterverein Hallau. Die Feier im Säli vom Restaurant Schweizerbund versammelte Aktive und Passive, Freunde und Gönner des Vereins zu einem gemütlichen Nachmittag. An der GV neun Tage später tritt Friedy Klumpp nach 25 Jahren als Präsidentin zurück. Sie wird zur Ehrenpräsidentin ernannt, Vereinsarzt Dr. Weibel wird Ehrenmitglied. Von Schwester Flory erhält der Verein eine grosszügige Spende zum Ankauf einer Fahne. Auf Wunsch einiger junger Mitglieder wird beschlossen, neue Blusen zu nähen. Wir sind 33 Aktivmitglieder. Im Dezember organisiert Friedy Klumpp zum 40. und letzten Mal das Blutspenden. Von Bern erhält sie eine schöne Zinnkanne und eine Blumenschale.

1987

Schon wieder zügeln….  Diesmal in umgekehrter Richtung: vom Weiher- ins Kirchgemeindeschulhaus. Wir teilen das Unterrichtszimmer mit Pfarrer Blocher. Den grossen Materialschrank haben die Herren Schweizer und Hächler kurzerhand entzwei gesägt, zum Fenster hineinbugsiert und wieder zusammengesetzt. Es wird ein Zelt angeschafft für den Postendienst bei grösseren Anlässen und eine Bahre. Eine neue Alarmliste wird verteilt mit ausführlichen Instruktionen, was zwei Wochen später sehr zugute kommt beim Brand an der Schulgasse.

1988

Anlässlich der Einweihung des neuen Altersheims dürfen wir in einigen Zimmern unseren Verein näher vorstellen mit Blutdruckmessen, Zeigen des Materials, Zelt, Kleidung etc.  Ein Wissensparcours, Tonbildschau, Spielplatz und Ballonwettbewerb gibt es dazu. Das Fest dauert zwei Tage. 

 In Olten feiert man das 100jährige Bestehen des Schweizerischen Samariterbundes. Mit einer Fahnendelegation nehmen die Hallauer Samariter teil. Neue Statuten werden verteilt und zwei Patenschaften übernommen.

1991

700 Jahre Eidgenossenschaft, 500 Jahre Bergkirche St. Moritz, neues Hallauerbuch, Tag der Begegnung etc. Dazu die Kant. Delegiertenversammlung…… Alle Vereinsmitglieder zeigen grossen Einsatz und verwandeln die Baustelle Gemeindehaus in einen ansprechenden Festsaal. Edith Rahm wird geehrt für ihre 23 jährige Tätigkeit als Samariterlehrerin. Wir können ihr nicht genug danken für diese geschenkte Zeit.

1992

Nach 40 Jahren Einsatz als Samariterin und davon 16 Jahre als Aktuarin erhält Erna Bersier die Ehrenmitgliedschaft.

1993

Dr. Robert Weibel wird nach über 40 Jahren als langjähriger Vereinsarzt verabschiedet. Die im Altersheim seit einiger Zeit durchgeführten Spielnachmittage sind beliebt und erfreuen viele Pensionäre. Als Neuerung bei der Sammlung werden keine Abzeichen mehr verkauft. Es gibt eine Liste und eine Broschüre wird abgegeben. Die Blutspenderzahlen gehen zurück.

1994

Wir können ein eigenes Vereinslokal beziehen im Estrich des  Weiherschulhauses. Wieder einmal steht putzen auf dem Programm. Unser erster Samariterwagen hat nach 17 Jahren ausgedient. Ein neuer und geräumiger Postenwagen wird an der Feuerwehr- Hauptübung mit Stolz vorgeführt. Er kostet samt Inhalt Fr. 21'181.--. Dank vieler Vergabungen, Spenden und sparsamem Umgang mit dem Geld ist diese Anschaffung möglich geworden.

1995

Es wird eine Blusenkommission gebildet. Für den neuen Postenwagen wird noch ein Standort gesucht. Nach den Herbstsonntagen dürfen wir mit dem Umzugswagen an die Olma in St. Gallen. Mit der Schliessung des Bürgerheims müssen wir die beliebten Weihnachtsfeiern mit den Pensionären aufgeben.

1997

Es sollen praktischere Samaritertaschen und drei warme Jacken für den Postenwagen angeschafft werden. In unseren neuen, selbst  genähten Vereinsschürzen bringen wir Ehrenpräsidentin Frieda Klumpp zum 80. Geburtstag ein Ständchen.

Fürs Postenstehen an den Herbstsonntagen erhalten wir nun Fr. 500.--. Die Vereinsreise führt nach Basel in den Botanischen Garten nachdem wir das Anatomie-Museum besucht haben.

1999

Kein Frieren mehr, endlich ist es soweit: Die ungeduldig erwartete Eröffnung des Feuerwehrmagazins mit Vereinslokal beginnt mit einem Tag der offenen Tür. Wir präsentieren den Postenwagen, Notfalltaschen und Rettungsgeräte. Wir sind sehr froh, dass wir ein so schönes Lokal benützen dürfen und danken den Gemeindebehörden, die uns nun als einen Teil der Wehrdienste akzeptieren. Die BS Bank unterstützt die Anschaffung einer Resusci-Anne sehr grosszügig mit einem Beitrag von Fr. 2'000.--.

2001

Helen Bär tritt nach 16 Jahren Präsidentschaft zurück. Ihre langjährige Arbeit wird mit grossem Applaus verdankt. Als neue Präsidentin wird Anja Hägeli gewählt. In diesem Jahr feiert der Kanton 500 Jahre Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft. Dies wird während der Herbstsonntage entsprechend dargestellt, natürlich auch bei unserem Umzugswagen. Beim Blutspenden können wir ein kleines Jubiläum feiern: wir dürfen den 10'000 Blutspender empfangen.

2002

Die Samariterreise führt uns nach Zürich! Das Moulagenmuseum begeistert  und stösst gleichermassen ab. Und viele Samariterinnen sind das erste Mal auf dem Uetliberg!

2004

Ein ganz furchtbarer Tsunami wütet in Ostasien mit zig-tausend Toten und Verletzten. Unser Vereinsjahr verläuft viel ruhiger, der Kantonalverband feiert seinen 50sten Geburtstag, was an der DV in Buchberg-Rüdlingen (60 Jahre Jubiläum) entsprechend gefeiert wird. Das Blutspenden wird auf Wunsch nun wieder 2x jährlich durchgeführt, die Teilnahme ist jedoch leider sinkend.

2006

Wie üblich, ist es bei unserer Uebung in der Badi entsprechend kalt, was uns nicht davon abhält, alle Rettungsübungen mitzumachen! Es kann ganz klar von einer Zunahme von Postendiensten ausgegangen werden. Wir stehen an zwei Open-Air Veranstaltungen, dem Full House, dem Kantonalen Pfaditag und natürlich den Herbstsonntagen Posten, welche nach dem Motto “Bekannte Spielfilme“ gestaltet werden. Unser Dracula-Wagen wird wie immer von Lisi Meier und vielen Helfern auf’s genialste geschmückt. Unser Verein zählt nur noch 17 Mitglieder!

2007

Beginn des Vereinsjahres in der Mühle Wunderklingen: Gertrud und Mathias Neukomm heissen uns zum Drei-Königs-Hock willkommen. Das Motto der Herbstumzüge lautet „Das Beste aus 50 Jahren Hallauer Umzüge“. Auch unsere Spielnachmittage während der Wintermonate im Altersheim finden guten Anklang bei den Pensionären. Mitgliederbestand: 15!

2008

Letzte Teilnahme an den Herbstumzügen mit eigenem Umzugswagen! Dieser wird neu von den Organisatoren des Open-Air „Amnesy“ geleitet. Vielen Dank der langjährigen Wagenchefin Lisi Meier!

2009

Die Vorbereitungen auf unser 100 jähriges Jubiläum laufen auf Hochtouren! Die Samariterreise führt uns mit den Landfrauen ins liebliche Appenzellerland.

 

Amtierende Samariterlehrer/Innen

Dr. Robert Weibel                          1910 – 1920

Heinrich Spitz                                1921 – 1923

Simon Stalder                                1924  -       ?

Herr Pfund                                               - 1928

Herrmann Spaar                                       - 1931

Ida Rütschi                                     1932 - 1937

Ernst Spaar                                    1938 -      ?      

Lilli Neukomm                                 1958 -       ?

Edith Rahm                                     1968 – 1991

Marcel Fehr                                     1984 – 1994

Susanne Lüthi                                1992 -  1995

Sibylle Beerli                                   1994 –

 

Vereinsarzt

Dr. R. Weibel, sen.                        1910 – 1948

Dr. Robert Weibel, jun.                  1948 – 1993

Dr.  R. Craviolini                             1993 –

 

Amtierende Präsidenten/Innen:

Simon Stalder                                1910 – 1920

Steiger – Enderli                            1921 – 1923

Ernst Pfund                                    1924 – 1926

Simon Stalder                                1927 – 1929

Emma Meyer                                  1930 – 1945

Ernst Spaar                                    1946 – 1952

Klara Fotsch                                   1953 – 1960

Frieda Klumpp                                1961 – 1984

Helene Bär                                     1985 – 2000

Anja Hägeli                                     2001 -